E-Book und Print on Demand Verlage machen es möglich: Nie war es leichter, sein Buch selbst zu veröffentlichen. Aber viele Selfpublishing-Autoren verzichten aus Kostengründen auf ein Lektorat. Eine fatale Entscheidung! Dieser Artikel zeigt dir, warum.


Du hast es endlich geschafft. Zahlreiche Monate harter Arbeit liegen hinter dir. Endlich ist dein Buch fertig. Natürlich willst du es der Welt zeigen. Du bist gierig auf das Leserfeedback. Denn schließlich ist deine Idee genial und dein Buch so richtig gut geworden! Du hast sorgfältig gearbeitet.

Ein Lektorat? Kannst du dir nicht leisten! Und bei Amazon & Co. ist das eigene E-Book nur ein paar Klicks entfernt. So mancher Selfpublishing-Autor ist über Nacht reich geworden. Das könnte dir genauso gehen. Schon morgen!? Du wagst es. Du stellst dein Buch online. In nicht einmal 24 Stunden hagelt es die ersten Downloads. Yeah! Doch kurz darauf auch schon die ersten Lesermeinungen:

Du verfällst in eine Schockstarre. Namen verwechselt? Rechtschreibfehler? Du hast doch die automatische Rechtschreibkorrektur benutzt und zwei Freunde von dir haben das Manuskript Probe gelesen. Die sagten es sei super! Wieso jetzt langweilig? Außerdem schreibst du gut. Wie konnte das passieren?

Warum die automatische Rechtschreibprüfung nicht ausreicht

Bei der automatischen Rechtschreibkorrektur hat sich viel getan. Sogar Grammatik-Konstruktionen können analysiert und mögliche Fehler in der Kommasetzung erkannt werden. Aber: Trotz allen Fortschritts erfasst selbst das beste Programm nicht den Inhalt deines Textes. Schauen wir uns ein paar Beispiele an:

„Anja, ich hatte es so gewollt.”

„Beate war eine gute Party.“

Kein Rechtschreibprogramm der Welt würde in diesen Sätzen einen Fehler entdecken. Aber sind sie korrekt? Nicht, wenn man eigentlich „naja“ statt „Anja“ schreiben wollte. Und Beate war dann wohl eher auch eine gute „Partie“ als eine gute „Party“. Kann man über diese Dreher vielleicht noch schmunzeln, wird es in folgendem Beispiel schon schlimmer:

„Er ging schlich um die Ecke. Dunkelheit. Mann sah die Hans vor Augen nicht.“

Texte mit solchen Fehlern gehen ohne Wenn und Aber durch die automatische Korrektur. Den Leser treiben sie in den Wahnsinn.

Testleser und Betriebsblindheit

Warum aber fallen dir solche Fehler beim Lesen nicht auf? Weil wir grundsätzlich alle faul sind. Unser Organismus ist darauf ausgelegt, auf Sparflamme zu kochen. Du hast deinen Text selbst verfasst. Du weißt, was dort stehen sollte. Und in den meisten Fällen liest du das auch. Dein Gehirn erinnert sich und ist schneller als dein Auge. Man nennt es Betriebsblindheit. Wikipedia schreibt dazu:

„Eine Betriebsblindheit kann in der Regel nur durch Anstöße und Impulse von außen – von Nichtbetriebsangehörigen – erkannt und verändert werden.“

Testleser können dir diese Impulse und Anstöße geben. Mit Sicherheit werden sie mehr Fehler finden als du selbst – vorausgesetzt sie arbeiten konzentriert und gewissenhaft. Erinnern wir uns in diesem Zusammenhang doch einmal an die Leserbewertungen von vorhin: Nach ca. 30 % des Buches konnte ich einfach nicht mehr weiterlesen. Deine Testleser glauben an dich. Sie wollen dir helfen und kämpfen sich bis zum Schluss durch. Die Betonung liegt hier auf dem Verb kämpfen. Das bietet nicht gerade die beste Grundlage, um alle Fehler zu finden.

Und – Hand aufs Herz – welcher Freund gibt dir ein Manuskript zurück, von dem er weiß, dass du monatelang daran gearbeitet hast und sagt offen und ehrlich: „Das war irgendwie langweilig und den Schluss habe ich überhaupt nicht verstanden. Also ich glaube nicht, dass das so ein Erfolg wird.“

Ein professioneller Text braucht ein Lektorat

Nur ein Lektor liest deinen Text mit dem notwendigen Abstand. Er kennt dein Projekt noch nicht und er steht zu dir in keiner persönlichen Bindung. Er wertet neutral. Er prüft deinen Text auf Rechtschreib-, Grammatikfehler und hinterfragt den inhaltlichen Aufbau. Gibt es Logikfehler? Schwierigkeiten beim Verständnis? Unschöne Formulierungen? Er weist dich darauf hin und macht Verbesserungsvorschläge.

Beispiel Lektorat

Dass diese Arbeit unerlässlich ist, weiß jeder, der mit professionellen Texten zu tun hat. Verlage, Werbeagenturen, Redaktionen – sie alle arbeiten mit Lektoren zusammen. Nicht selten werden Texte sogar mehrfach oder von zwei verschiedenen Lektoren gelesen, um wirklich auf Nummer sicher zu gehen. Denn jeder Arbeitsschritt, also auch das Umsetzen von den Verbesserungsvorschlägen deines Lektors ist fehleranfällig. Vielleicht musst du ganze Passagen neu oder umschreiben? Auch diese Passagen müssen überprüft werden.

Was kostet ein Lektorat?

Die Preise für ein Lektorat sind sehr unterschiedlich und reichen in der Regel von 4€ bis 8€ je Normseite. Gehen wir einmal von 4€ aus. Hat dein Manuskript eine durchschnittliche Länge von 200 Seiten, kostet dich das Lektorat also 800€.

War dein Lektorat sehr umfangreich, ist es mitunter ratsam, ein Korrektorat anzuschließen. Ein Korrektorat konzentriert sich nur auf Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung. Daher ist es entsprechend günstiger und kostet meiner Erfahrung nach zwischen 2€ und 4€ je Normseite. Bei einer Länge von 200 Seiten entspräche das mindestens 400€ zusätzlich.

Insgesamt müsstest du für das Lektorat deines Manuskriptes folglich 1.200€ aufbringen. Das ist eine ordentliche Summe. Kein Wunder, dass zahlreiche Selbstveröffentlicher gern darauf verzichten. Aber: Die Produktion eines Buches kostet nun einmal Geld! Das Gegenteil anzunehmen, ist naiv. Planst du eine professionelle Selbstveröffentlichung, musst du die Kosten für ein Lektorat mit einkalkulieren – ebenso wie der Bäcker das Mehl für die Brötchen oder die Airline die Kosten für das Kerosin.

Darum zahlt sich ein Lektorat mehrfach aus

Gerade der Fakt, dass viele Selfpublisher vor einem Lektorat zurückschrecken, kann dir entscheidende Wettbewerbsvorteile sichern. Gut lektorierte E-Books stechen aus der Masse hervor. Die Leser werden es dir danken!

Zudem ist ein gutes Lektorat auch ein hervorragendes Feedback auf deine handwerkliche Arbeit als Autor/in. Bereits während der Einarbeitung der Korrekturen wirst du jede Menge lernen. Kaum ein Schreibseminar kann dir eine so umfangreiche und fachlich fundierte Betreuung bieten. Ein Lektorat verbessert nicht nur deinen Text. Es prägt auch deinen Schreibstil nachhaltig. Viele Fehler werden dir im Anschluss vielleicht nie wieder passieren.

Wie finde ich einen guten Lektor?

Die Wahl des Lektors ist zum Großteil eine Bauchentscheidung. Ihr werdet über eine längere Zeit intensiv miteinander arbeiten. Du vertraust ihm ein Produkt an, das dir am Herzen liegt. Ihr solltet euch gut verstehen und einen unkomplizierten Zugang zueinander haben. Frage daher in jedem Fall nach einem Probelektorat.

Darüber hinaus haben auch Lektoren ihre Fachgebiete. Informiere dich genau, in welchen Bereichen ein Lektor vorrangig arbeitet. Suchst du ein Lektorat für einen erotischen Roman solltest du eher nicht bei einem Lektor für wissenschaftliche Texte und Doktorarbeiten anfragen. Hilfreich ist bei der Suche die Webseite des Verbandes der freien Lektorinnen und Lektoren. Ich persönlich bin während meiner Arbeit als freier Autor durch Kollegen oder auch selbst mit folgenden drei Adressen in Kontakt gekommen und kann sie mit gutem Gewissen empfehlen:

Obst & Ohlerich
www.freie-lektoren.de

Volker Maria Neumann
www.krimi-lektorat.de 

Dr. Werner Irro
www.wortinstitut.de

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