Angst vor dem Thema Plot? Dafür gibt es keinen Grund. Wer Geschichten plotten möchte, findet in Fernsehserien eine perfekte Inspiration.

Wie ich in meinem Beitrag Ein Plädoyer für das Plotten bereits geschrieben habe, ist plotten nichts anderes als das Entwickeln einer Handlung. Jeder, der eine Geschichte schreibt, plottet – ob er will oder nicht.

Während meiner Arbeit als Schreibcoach stelle ich jedoch immer wieder fest, wie viele Berührungsängste mit diesem Thema verbunden sind. Dabei ist im Grunde alles ganz einfach. Denn wir sind die Grundstrukturen einer guten Geschichte längst gewöhnt.

Geschichten plotten – TV-Serien sind ein gutes Beispiel

Durch Filme und TV-Serien haben wir typische Plot-Strukturen bereits verinnerlicht. Sie helfen, wenn wir selbst Geschichten plotten wollen. – Urheberrecht Foto: vicnt / 123RF Lizenzfreie Bilder

Sehr schnell wird der dramatische Aufbau einer Geschichte anhand der Episode einer Fernsehserie deutlich:

ANFANG:
Die Episode wird eingeleitet (2-3 Minuten) und endet an einem dramatischen Höhepunkt. An diesem Höhepunkt stehen unsere Serienhelden einem Problem gegenüber und wir denken: „Wie sollen sie da nur wieder herauskommen?“ Der Vorspann zur Serie setzt ein (gerne ist hier auch das erste Mal Werbung, denn da uns der Anfang in Spannung versetzt hat, ist die Chance groß, dass wir sie abwarten und am Ball bleiben).

MITTE:
Nach dem Vorspann der Serie folgt der Hauptteil der Episode. Hier wird alles daran gesetzt, das Problem, welchem unsere Serienhelden gegenüberstehen, zu lösen.

ENDE:
In den letzten fünf Minuten unserer Episode erleben wir schließlich das „Happy End“: die Lösung des Problems.

Soweit der grobe Aufbau, der sich mit Leichtigkeit auf jede geschriebene Geschichte übertragen lässt. Sehen wir uns das ganze einmal im Detail an.

Der Handlungstreiber: das Grundproblem

Ausnahmslos jede Geschichte lässt sich auf ein Grundproblem reduzieren, welches es zu lösen gilt. In einem Krimi ist es der Kriminalfall, in einer Liebesgeschichte die Eroberung des gewünschten Partners, in einem Katastrophendrama das Überleben des Unglücks, in einem Abenteuerroman die Entdeckung eines verborgenen Schatzes usw. Der größte Anfängerfehler ist meiner Erfahrung oft, dass dieses Grundproblem entweder

a) nicht klar bennant ist oder
b) im Verlauf der Geschichte wieder vergessen wird.

Gibt es kein Problem, gibt es auch keine Geschichte. So einfach ist das. Willst du also eine Geschichte plotten, frage dich zuerst, welches Problem im Zentrum deiner Handlung steht.

"Monk" ist eine Detektivserie. Das Grundproblem ist hier stets der scheinbar unlösbare Kriminalfall.

„Monk“ ist eine Detektivserie. Das Grundproblem ist hier stets der scheinbar unlösbare Kriminalfall.

Der Problemlöser: die Hauptfigur

Probleme lösen sich bekanntlich nicht von selbst. Also braucht deine Geschichte jemanden, der sich darum kümmert. Genau diese Person ist deine Hauptfigur. Ihre Handlungen folgen alle einem Zweck: der Lösung des Grundproblems. Handlung kommt von handeln. Arbeitet deine Hauptperson aktiv daran, das Grundproblem zu lösen, schreitet die Handlung deiner Geschichte voran. Andernfalls stagniert sie – im schlimmsten Fall wird es langweilig.

VORSICHT: Es kann nur einen geben! Deine Hauptfigur führt deinen Leser durch die Geschichte. Verwechsel das Wort Hauptfigur nicht mit dem Wort „Hauptrolle“. Es gibt immer mehrere wichtige Personen in einer Geschichte aber stets nur eine Hauptfigur.

Selbst wenn das Grundproblem im Team gelöst wird („Raumschiff Enterprise“) gibt es immer einen Teamführer, einen Strippenzieher, einen Helden („Captain Kirk“), der am Ende entscheidet, welcher Schritt der nächste sein wird. Diese Person ist deine Hauptfigur. Sie treibt die Geschichte voran und ist zugleich Orientierung für deinen Leser. Willst du also eine Geschichte plotten, brauchst du eine Hauptfigur.

Zugegeben: Ausnahmen bestätigen die Regel. Es gibt Grenzfälle und nichts, was es nicht gibt. Manchmal können sich mehrere Hauptfiguren zu einer gemeinsamen Hauptfigur vereinen, weil sie dasselbe Ziel verfolgen und in selber Weise vom Erreichen dieses Ziels profitieren.

Allerdings wirst du diesen Artikel hier kaum lesen, wenn du schon hundertprozentige Sicherheit beim Plotten verspürst. Mach es dir nicht zu schwer. Mehrere Hauptfiguren in einem Plot erfordern wahre Rafinesse, Knowhow und Übung. Überfordere dich nicht!

Scheinbar unlösbar wird das Thema „Hauptfigur“ im Serien wie „Lost“. Aber auch hier wirst du bei genauem Hinsehen feststellen, dass der Fokus von Episode zu Episode zwar wechselt, aber immer auf eine Person gerichtet ist.

Scheinbar unlösbar wird das Thema „Hauptfigur“ im Serien wie „Lost“. Aber auch hier wirst du bei genauem Hinsehen feststellen, dass der Fokus von Episode zu Episode zwar wechselt, aber immer auf eine Person gerichtet ist.

Das Druckmittel: Was steht auf dem Spiel?

Niemand von uns verrichtet gerne Arbeit, die er als unnötig empfindet. Wir brauchen ein Druckmittel, das uns in Bewegung versetzt, sei es Geld oder Hunger oder etwas Anderes. Umso ungewöhnlicher und schwieriger die Aufgabe ist, umso stärker muss auch dieses Druckmittel sein.

Würdest du im Winter im Freien ins eiskalte Wasser springen? Sicher nicht. Ganz gewiss auch nicht, wenn man dir einen 10€-Schein dafür anböte. Würde aber die Liebe deines Lebens in genau diesem eiskalten Wasser ums Überleben kämpfen, würde es vielleicht anders aussehen.

Link-Tipp – Jetzt lesen!Schau auch hier herein:
Das Druckmittel ist übrigens ein entscheidendes Grundelement der Spannung. Auf was du noch achten solltest, damit deine Geschichte spannend wird, verrate ich dir in meinem Artikel Spannend schreiben – Die Grundprinzipien der Spannung.

Worauf ich hinauswill: Damit ich dir als Leser glaube, dass deine Hauptfigur bereit ist, die mit der Lösung des Grundproblems verbundenen Strapazen auf sich zu nehmen, muss ich wissen, welches Druckmittel sie dazu antreibt.

Man könnte auch fragen: Was steht auf dem Spiel? Welches Unheil droht deiner Hauptfigur, wenn ihr die Lösung des Grundproblems nicht gelingt? In so mancher Literatur über das Schreiben wird dieses Druckmittel auch als „Catalyst“ (deutsch: Katalysator) bezeichnet. Er ist entscheidend, wenn du Geschichten plotten willst.

Bei Serien wie "Raumschiff Enterprise - das nächste Jahrhundert" kann es schon einmal vorkommen, dass direkt die Existenz der gesamten Menschheit auf dem Spiel steht.

Bei Serien wie “Raumschiff Enterprise – das nächste Jahrhundert” kann es schon einmal vorkommen, dass direkt die Existenz der gesamten Menschheit auf dem Spiel steht.

Versuch und Irrtum führen ans Ziel

Sobald der Leser

  • das Grundproblem, das es zu lösen gilt,
  • die Person, die es lösen muss (deine Hauptfigur) und
  • das Druckmittel, das sie zum Handeln zwingt

kennt, kann es losgehen. Die Hauptfigur macht sich an die Lösung. Natürlich gelingt das nicht sofort und natürlich ist das mit vielen Schwierigkeiten (Hindernissen) verbunden.

Mit diesem Teil haben meiner Erfahrung nach die meisten Autorinnen und Autoren die größten Probleme. Mein Tipp: Frage dich als erstes, wie der ideale Lösungsweg aussehen würde. Dann schau dir an, was auf diesem Lösungsweg alles schiefgehen könnte und schon hast du deine Hindernisse. Nichts läuft wie geplant. Deine Hauptfigur kommt nur über Versuch und Irrtum ans Ziel.

Über Versuch und Irrtum ans Ziel zu gelangen, kann voller komischer Momente sein - wie zum Beispiel immer wieder bei den legendären „Golden Girls“.

Über Versuch und Irrtum ans Ziel zu gelangen, kann voller komischer Momente sein – wie zum Beispiel immer wieder bei den legendären „Golden Girls“.

Neider, Ängste und Naturgewalten

Hinzu kommt, dass wir in einer Ellenbogengesellschaft leben. An allen Ecken und Enden gibt es Menschen, die uns unseren Erfolg nicht gönnen oder ihn uns streitig machen wollen. Sie sind entweder neidisch oder verfolgen dasselbe oder ein ähnliches Ziel und empfinden uns als Konkurrenz. Sie tun alles, um unser Vorhaben zu verhindern.

Genauso ist es, wenn du Geschichten plotten möchtest. Nur nennen wir diese Personen in deiner Geschichte nicht Neider, sondern Gegenspieler („Antagonisten“). Gegenspieler können allerdings auch innere Ängste, Süchte, Macken, Fehler deiner Hauptfigur oder scheinbar unüberwindbare Naturgewalten sein. Diese Gegenspieler bilden zusätzliche Hindernisse für deine Hauptfigur auf dem Weg zur Problemlösung.

Unsere Nerven werden auf eine harte Probe gestellt, wenn wir immer wieder im Unklaren darüber gelassen werden, wer nun tatsächlich ein Gegenspieler ist oder wer nur einer zu sein scheint. Genial umgesetzt wird dieses Spiel in der Fernsehserie „Alias“.

Unsere Nerven werden auf eine harte Probe gestellt, wenn wir immer wieder im Unklaren darüber gelassen werden, wer nun tatsächlich ein Gegenspieler ist oder wer nur einer zu sein scheint. Genial umgesetzt wird dieses Spiel in der Fernsehserie „Alias“.

Geschafft mit Ach und Krach

Alle Wege führen nach Rom. Nach langen, ermüdenden Kämpfen gelangt deine Hauptfigur an ihr Ziel. Das Problem wird endgültig gelöst. Triumphiert deine Hauptfigur, sprechen wir von einem Happy End, versagt sie kläglich, von einem Drama. Die hohe Kunst liegt hier darin, das Grundproblem auf eine überraschende und unerwartete Art und Weise zu lösen. Gib dem Leser, was er erwartet. Aber gib es ihm anders, als er es erwartet.

Link-Tipp – Jetzt lesen!Schau auch hier herein:
Ein guter Anfang erzeugt Spannung – ein gutes Ende erzeugt Fans! In meinem Artikel Einen guten Schluss schreiben zeige ich dir, wie du deinen Leser mit dem Ausgang deiner Geschichte glücklich machst.

Du siehst, der Aufbau einer guten Geschichte ist dir vertrauter als gedacht. Bevor du dich jetzt aber direkt auf den Weg nach Hollywood machst, um selbst berühmte TV-Hits zu erfinden, lass uns gemeinsam alles noch einmal kurz zusammenfassen.

Geschichten plotten – eine Zusammenfassung

Deine Geschichte beginnt mit dem Anfang. Hier stellst du dem Leser kurz und knapp folgende drei Punkte vor:

  • das Grundproblem (z. B. Mord oder Gefahr)
  • die Hauptfigur, die das Problem lösen soll und
  • das Druckmittel (wir wissen, was auf dem Spiel steht).

Als Faustregel könnte man also sagen: Alles, was du in den Trailer vor dem Vorspann einer Serie stattfinden lassen würdest, gehört in den Anfang deiner Geschichte. Setz alles daran, diesen Anfang genauso knackig, kurz und präzise zu machen. Details und Hintergrundinformationen sind hier fehl am Platz. Alles konzentriert sich auf das Grundproblem, die Hauptfigur, die es lösen muss und das Druckmittel, das sie dazu zwingt.

Sind diese drei Punkte abgehakt, beginnt der Mittelteil deiner Geschichte. In einer Fernsehserie wäre das der Abschnitt nach dem Vorspann. Jetzt unternimmt deine Hauptfigur alles in ihrer Macht stehende, um das Problem zu lösen. Diese Etappe füllt die mit Abstand längste Zeit deiner Geschichte aus. Hier ist genügend Zeit für Hintergrundinfos und auch so manche Vorgeschichte, die ich als Leser vielleicht brauche, um das Geschehen endgültig zu begreifen.

Dein Mittelteil gipfelt im finalen Showdown: dem Schluss. Das Problem wird gelöst. Deine Geschichte ist zuende.

Jede dieser drei Etappen findet sich in einer Geschichte wieder. Achte einmal darauf, wenn du in Zukunft eine Folge deiner Lieblingsserie schaust. Wichtig ist nur: es darf keine Telenovela oder Daily Soap sein. Denn hier herrschen noch einmal ganz andere Gesetze. Ich bin mir sicher, dass du auf diesem Weg schnell einen Zugang zum Plotten und ein Gefühl für das Entwickeln von Geschichten bekommen wirst.

Link-Tipp – Jetzt lesen!Schau auch hier herein:
Du bist jetzt so motiviert, dass du am liebsten direkt ein gesamtes Buch schreiben möchtest? Dann schau doch einmal in meinen Artikel In 13 Schritten zum Roman-Plot hinein. Und gib mir Bescheid, wenn ich deinen Bestseller kaufen kann! 🙂

Lust auf mehr?

Dann probiere kostenlos meine Kursangebote!

[]
1 Step 1
Dein Name (optional)
keyboard_arrow_leftPrevious
Nextkeyboard_arrow_right

Die Probelektion ist kostenlos und unverbindlich. Deine Daten behandele ich vertraulich und gemäß meiner Datenschutzerklärung.