Als Autor kommt man um die Prämisse nicht drumherum. Das Problem ist nur, dass sie jeder irgendwie anders definiert. Dabei kann man sehr viel von ihr profitieren. Ich zeige euch wie.

Die Prämisse im kreativen Schreiben

Auch beim Schreiben ist es wie bei jeder anderen Handwerkskunst. Es ist cool, mit Fachworten um sich zu schmeißen. Leider führt das nicht selten zu Missverständnissen, schlimmstenfalls gar zu Frust. Warum sich die Dinge unnötig schwer machen? Schluss mit Mythos! In dieser Artikelserie erkläre ich euch, was dahintersteckt.

Eine „Prämisse“ ist eine Behauptung (oder Annahme).

Zum ersten Mal mit dem kreativen Schreiben in Verbindung gebracht wurde das Wort Prämisse von dem Autor und Schreiblehrer Lajos Egri. Er verwendete sie in seinem Standardwerk Dramatisches Schreiben, um in knapper Form die Wandlung einer Romanfigur zu beschreiben.

Für Lajos Egri ist dieses Thema so wichtig, dass er sein Werk sogar damit beginnt. Die Essenz seiner Darlegungen: Ohne eine gute Prämisse gibt es auch keine gute Geschichte. Was aber ist eine gute Prämisse? Lajos Egri schreibt:

Jede gute Prämisse besteht aus drei Teilen: Anfang, Konflikt und Lösung

Natürlich bringt Egri auch ein Beispiel an: Extreme Sparsamkeit führt zu Verlust. Er schreibt dazu:

Der erste Teil dieser Prämisse spielt auf einen Charakter an – einen sparsamen Charakter. Der zweite Teil – „führt zu“ – verweist auf einen Konflikt, und der dritte, „Verlust“, auf das Ende des Stückes.

Auch wenn ich persönliche es ziemlich kühn finde, von einem „führt zu“ auf einen Konflikt zu schließen (es gibt genug Möglichkeiten, dass Dinge auch ohne Konflikt zu etwas führen) – die Grundidee ist klar. Und sie ergibt Sinn.

Der Unterschied zum Thema deiner Geschichte

Was im ersten Anlauf nicht allzu kompliziert klingt, bereitet zahlreichen Autoren immer wieder Probleme. Die Ursache dafür ist meiner Erfahrung nach, dass die Prämisse fälschlicherweise immer wieder mit dem Thema einer Geschichte gleichgesetzt wird.

Das Thema einer Geschichte ist nicht zwangsläufig auch seine Prämisse. Denn während dein Thema deinen Roman als Ganzes umreißt, beschreibt die Prämisse ganz konkret und ausschließlich die Entwicklung deiner Hauptfigur. Sie ist also wesentlich spezifischer.

Ganz so unschuldig ist Lajos Egri in meinen Augen nicht. So gibt er in seinem seinem Standardwerk Dramatisches Schreiben als Beispielprämisse unter anderem an:

Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.

Ich persönlich finde das ungeschickt. Denn gerade diese Form von Beispiel verführt dazu, eine Prämisse als Gesamtumfassenden Gemeinplatz zu begreifen. Nun wäre aber durchaus eine Geschichte mit dem Thema Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein denkbar, in welcher die Hauptfigur mit einer Vielzahl von hinterhältigen Tricks versucht, an Geld zu kommen. Am Ende begeht sie Selbstmord. Die Prämisse für diese Geschichte wäre in diesem Fall also vielleicht eher: Gier führt zu Vernichtung.

Mein Tipp: Trenne Prämisse und Thema deiner Geschichte klar voneinander!

Betrachte deine Geschichte als Ganzes. Was ist ihr Kern? Worum geht es dir als Autor im Allgemeinen? Was willst du Aussagen? Das ist dein Thema!

Danach betrachte deine Hauptfigur. Wie verändert sie sich? Welchen emotionalen Zustand hat sie im Anfangsteil deines Romans, welchen am Ende? Verbinde beide Zustände ganz bewusst, indem du das Verb „führen“ verwendest. Zum Beispiel: „Neid führt zu Einsamkeit.“

Immer noch zu kompliziert? Lass dich nicht aus der Fassung bringen. Eine Prämisse ist ein Werkzeug von vielen. Es ist durchaus möglich, grandiose Geschichten zu schreiben, ohne eine perfekte Prämisse formulieren zu können. Im Zweifelsfall habe Mut und vertraue deinem erzählerischen Instinkt!

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