Ein roter Faden hält alles zusammen. Er verbindet die einzelnen Stationen deiner Geschichte und verleiht deinem Text eine tiefere Bedeutung. Ich zeige dir, wie du deinen roten Faden findest und die ganze Geschichte über beibehältst.

ein roter Faden

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Der rote Faden – jeder, der schreibt, weiß irgendwie, was damit gemeint ist. Aber was ist ein roter Faden genau? Und wie findet man ihn, wenn man noch keine komplette Handlung hat?

Der Duden definiert ihn als leitenden Grundgedanken. In der Musik verstehen wir ihn als Grundthema, als ein stets wiederkehrendes Motiv. Allerdings finde ich das beim Schreiben schwierig. Worte funktionieren anders als Musik. Ein Grundthema allein hält noch keinen Text zusammen und erzeugt erst recht noch keine Spannung.

Ich persönlich betrachte den roten Faden gern als eine Kette aus Ursache und Wirkung. Er ist der Pfad durch deine Geschichte. Der rote Faden verbindet die einzelnen Stationen deiner Story. Er macht aus Fragmenten ein großes Ganzes.

Klingt leicht, ist es aber nicht.

Die zwei Probleme mit dem roten Faden

Wer schreibt, hat erfahrungsgemäß zwei Hauptprobleme mit dem roten Faden:

Er findet den roten Faden nicht
Alle einzelnen Stationen der Geschichte hängen übergangslos in der Luft. Zwar ist die Idee für die Geschichte klar und auch die wichtigsten Stationen der Handlung sind fix, aber irgendwie fügen sie sich nicht zusammen. Das Schreiben stockt. Trotz Vorplanung geht es einfach nicht weiter.

Er verliert den roten Faden wieder
Alles schien klar. Aber während des Schreibens hast du den Faden verloren. Deine Hauptfigur irrt scheinbar planlos umher. Deiner Geschichte fehlt der Drive.

Das Geheimnis einer Spannungskette: Aktion und Reaktion

Ein roter Faden entsteht, wenn alle Ereignisse deiner Geschichte kontinuierlich durch Aktion und Reaktion miteinander verbunden sind. Stell ihn dir wie eine Reihe aus lauter Dominosteinen vor. Ein auslösendes Ereignis genügt und schon folgt eine Kette aus weiteren Ereignissen, die nicht mehr aufzuhalten sind und unaufhaltsam zum logischen Ende führen.

Roter Faden : Ursache und Wirkung ähnlich einem Dominoeffekt

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Damit du einen solchen roten Faden, die Kette aus Aktion und Reaktion, entwickeln kannst, brauchst du vier Eckpunkte:

  • eine Hauptfigur
  • ein Ziel, das die Hauptfigur erreichen will
  • einen Anfang
  • ein Ende

Ohne Hauptfigur geht gar nichts
Denn ohne eine Figur hast du keine Geschichte. Wer jemals bei mir einen Schreibkurs belegt oder besucht hat, kennt mein Lieblingsmantra: Handlung kommt von handeln. Es gibt keine Geschichte, solange nicht irgendjemand irgendwas tut. Aber:

Ohne Antrieb tut niemand was!
Auch deine Hauptfigur nicht. Daher braucht sie ein Ziel. Dieses Ziel muss konkret und messbar sein. Das heißt, man muss jederzeit im Verlauf der Geschichte objektiv und genau bestimmen können, ob ein Ereignis die Figur auf dem Weg an dieses Ziel zurückwirft oder einen Schritt voranbringt.

Klingt einfach? Das täuscht! Viel zu oft werde ich mit Zielen konfrontiert wie „glücklich sein“. Wann ist deine Hauptfigur denn glücklich? Wenn sie ein Eis isst? Wenn die Schwiegermutter tot ist? Oder wenn die Sonne scheint? Glücklich sein ist weder messbar, noch konkret. Ein konkretes Ziel aber ist unausweichlich, denn nur anhand eines konkreten Ziels, kannst du folgendes definieren:

Das Ende
Wenn du eine spannende Handlung entwickeln willst, musst du das Ende kennen. Das heißt nicht, dass du eine konkrete Szene vor Augen haben musst. Auch musst du noch nicht wissen, auf welche Art deine Hauptfigur an ihr Ziel kommen wird. Du kannst offenlassen, ob sie Erfolg haben oder scheitern wird. Aber du musst wissen, wann Schluss ist.

Das ist die Grundbedingung eines jeden Spannungsbogens. Niemand kann das Ende eines Fussballspiels vorhersehen. Aber trotzdem ist klar: Mit Ablauf der Spielzeit ist Schicht im Schacht. Ist diese Bedingung nicht definiert, braucht man mit dem Spielen (Schreiben) gar nicht erst anfangen.

Der Anfang
bildet den Ausgangspunkt deiner Geschichte. Klingt logisch, ist aber durchaus ebenfalls mit Stolperfallen versehen. Denn wenn du es versäumst, die Spielregeln deiner Geschichte zu Beginn klar zu definieren, wird deine Geschichte zäh und uninteressant.

Wir spinnen einen roten Faden

Hast du die vier Eckpunkte (Figur, Ziel, Anfang und Ende) für dich festgelegt, kannst du mit dem Spinnen deines roten Fadens beginnen. Versetze dich in die Rolle deiner Hauptfigur.

Zuerst analysierst du die Ausgangssituation. In Anbetracht dieser Ausgangssituation entwickelst du (deine Hauptfigur) einen Gesamtplan für den Weg ans Ziel. Wie sieht die erste Teiletappe dieses Gesamtplans aus? Welche Aufgabe musst du (deine Hauptfigur) zuerst erledigen? Ist diese Aufgabe klar, geht’s los:

Schritt 1:
AKTIONSPHASE
Deine Hauptfigur schreitet zur Tat und setzt die aktuelle Teiletappe des Gesamtplanes um.

Die Teiletappe gelingt oder gelingt nicht.

Schritt 2:
REAKTIONSSPHASE
Die Hauptfigur analysiert die neue Situation, die sich aus dem Erfolg/Misserfolg der absolvierten Etappe ergibt. Muss der Gesamtplan für den Weg ans Ziel angepasst werden?

Die Hauptfigur analysiert den neuen Gesamtplan. Was ist die logische Konsequenz? Wie sind nun die nächste Teiletappe aus?

Wurde das Gesamtziel erreicht?
Wenn NEIN, dann zurück zu Schritt 1.
Wenn JA, dann ENDE der Geschichte.

Nach diesem Schema entwickelst du Schritt für Schritt deinen roten Faden. Sei konsequent und sorgfältig! Meiner Erfahrung nach ist der häufigste Grund für den plötzlichen Abriss des roten Fadens das Fehlen einer Reaktionsphase. Es wird ausgelassen, zu bewerten, welche Auswirkungen ein Ereignis in der Geschichte auf den bisherigen Plan zum Erreichen des Ziels hat. Hauptfigur und Leser verlieren die Orientierung. Die Kette aus Ursache und Wirkung reißt.

Beachtest du dieses Schema, lässt sich aus einer einfachen Idee rasch eine umfangreiche Handlung entwickeln. Das Ziel deiner Hauptfigur bleibt stets im Fokus und so weiß auch der Leser immer, „worum es geht“.

Probiere es aus! Ich denke, du wirst staunen, wie schnell du auf diese Art deine Fantasie anfeuern kannst.

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