Schreibblockade? Lass uns lieber von Schreibhindernissen sprechen. Früher oder später treffen wir alle auf sie. Die gute Nachricht aber ist: Du kannst sie überwinden!

Schreibhindernisse überwinden

Ich glaube, wir kennen es alle, dieses Kopfkino, das da in uns jedes Mal in der Endlosschleife läuft, wenn ein Roman oder eine Kurzgeschichte mal wieder nicht ganz so will, wie wir uns das vorgestellt haben. Dann faselt unser innerer Schweinehund voller Inbrunst das Drehbuch rauf und runter. Das klingt dann in etwa so.

Ich verzettele mich ständig in mehreren Projekten.
Ich will ja schreiben, aber immer kommt mir etwas dazwischen.
Manchmal hänge ich stundenlang an einer Formulierung fest.
Ich habe die Szene im Kopf, aber ich kriege sie einfach nicht aufs Papier.
Bin ich überhaupt gut genug?

Erkennst du dich darin wieder? Das ist nicht verwunderlich. Früher oder später treffen wir alle auf diese Hürden – Schreibanfänger ebenso wie veröffentlichte Profis. Das einzige, was in diesem Punkt einen Profi vom Anfänger unterscheidet: Der Profi hat gelernt, mit diesen Ängsten umzugehen. Und du kannst das auch!

Der Umgang mit diesen Hindernissen wird bereits um ein Vielfaches leichter, wenn du verstehst, woher sie überhaupt kommen.

Die zwei größten Schreib-Irrtümer

Meiner persönlichen Erfahrung nach sind viele der Schreibhindernisse, auf die wir während unserer Arbeit immer wieder treffen, in den zwei größten Irrglauben begründet, die wir im Bezug auf das Schreiben haben.

1. Schreiben lernt man in der Schule

Das ist absoluter Quatsch. In der Schule lernst du, Fakten schriftlich festzuhalten. Du kannst mündliche Kommunikation verschriftlichen. Du lernst jedoch weder etwas über Erzählstruktur, noch Dramaturgie oder Figurenbau. All das verbirgt sich durchaus hinter der Totinterpretiererei von Gedichten und literarischen Werken. Aber wirklich nur den allerwenigsten Lehrern gelingt es, hier eine Brücke zwischen Theorie und Handwerk zu schlagen.

Zu behaupten, du würdest das Schreiben in der Schule lernen, ist demnach in etwa so, als würdest du einem Redner sagen, er müsse sich nicht vorbereiten, denn sprechen könnten wir ja schließlich alle.

2. Ich kann gut erzählen, also kann ich auch gut schreiben

Falsch! Jemanden am Stammtisch mit einer Anekdote zu fesseln, ist etwas grundsätzlich anderes als einen Leser zu begeistern. Woran das liegt, ist schnell erklärt. Wer erzählt, kann auf eine ganze Palette von Hilfsmitteln zurückgreifen. Da wären beispielsweise die Lautstärke, die Betonung, das Tempo eines Textes, die Stimmlage, die Mimik und die Gestik. Ein Erzähler kann Pausen einlegen, die Stimme verstellen oder gar die komplette Körperlichkeit einer anderen Figur übernehmen. Genau das tun gute Erzähler auch!

Dem Schreibenden bleibt nur das Wort. Und genau das ist auch der Grund dafür, dass die schriftliche Kommunikation so unglaublich fehleranfällig ist und derart rasch zu Missverständnissen führt. Jemand schreibt einen ironischen Satz, vergisst dabei jedoch, dass er den dafür so wesentlichen Tonfall auf dem schriftlichen Weg überhaupt nicht transportieren kann. Folglich kommt die Ironie beim Gegenüber nicht an. Der Leser nimmt den Satz für bare Münze. Der Shitstorm ist vorprogrammiert.

Das Schreiben ist ein Training

Ich persönlich vergleiche das Schreiben daher immer gern mit dem Erlernen eines Musikinstrumentes. Stell dir eine Geschichte einmal wie einen enormen Stapel (ein Geschichte) verschiedenster Dinge vor, die du zusammenbringen musst. In der folgenden Infografik habe ich die aus meiner Sicht zehn wesentlichsten zusammengefasst. Denke dir für jede dieser Dinge einen Finger. Nun bringe diese zehn Finger in ein harmonisches Zusammenspiel.

Urheberrecht Illustration Klavier: Kateryna, Fotolia-Stockfoto

Ganz schön schwierig, oder? Genauso geht es jemandem, der das Klavierspielen erlernt. Auch er muss zehn Finger zu einem harmonischen Zusammenspiel bringen. Hast du das einmal probiert? Mit einer Hand Klavier zu spielen ist bereits eine enorme Herausforderung, zwei Hände zusammen, das kostet Nerven! So etwas erlernst du nicht durch das Lesen von Blogs oder Ratgebern. So etwas erlernst du auch nicht in einer Unterrichtsstunde. Ein Wundermittel gibt es erst recht nicht. Hierfür hilft nur eins: Üben, üben, üben!

Genau so ist es auch beim Schreiben. Mache dich frei von dem Irrglauben, du müsstest lediglich einmal checken, wie es geht und dann würde dir die Erfolgsromane nur so aus den Fingern flutschen. So läuft es definitiv nicht. Solange du nicht bereit bist, dich regelmäßig an deinen Schreibtisch zu setzen, zu üben und den folgenden Muskelkater in Form von Frust, Selbstzweifeln und Ängsten auszuhalten, wirst du auch keine erfolgreichen Bücher schreiben.

Der romantische Traum vom Schreiben

Vergiss das romantische Bild von der einsamen Hütte am Meer, in der du dich an deinen Schreibtisch setzt und gechillt dabei zuschaust, wie deine Finger ein Bestseller nach dem anderen aufs Papier zaubern. Vergiss das Märchen, du müsstest du lange genug warten und dann würde dich irgendwann die Muse küssen, dich in einen ekstatischen Flow befördern und dir die Geschichten ins Ohr flüstern. Das folgende Bild kommt der Realität näher:

Schreibhindernisse überwinden – das Schreiben ist nicht leicht

Das Schreiben ist harte Arbeit! Zu allem Überfluss kostet es nicht nur Schweiß und Nerven, obendrein hast du nonstop das Gefühl von zahlreichen Besserwissern umgeben zu sein, die dich belächeln, weil sie wissen, dass du es ohnehin nicht kannst, Hirngespinsten nachjagst und mit offenen Augen ins Verderben rennst. Spätestens dann taucht sie auf, die Frage aller Fragen:

„Bin ich überhaupt gut genug?“

Nun, es ist sehr gut möglich, dass du es nicht bist. Aber, wenn du konsequent und richtig übst, wirst du es werden. Garantiert. Das Schreiben ist nicht leicht und es wird niemals leicht sein. Es gibt keinen Flow, der alles für dich niederschreibt. Aber es gibt das Glück, zu erleben, wie sich Schweiß und harte Arbeit auszahlen, wenn du all die Strapazen ausblendest und deine Figuren „erziehst“. Wie nörgelige, grauselige Kinder, die niemals machen, was du willst, aber die du abgöttisch liebst. Daher frage dich jetzt und hier:

  • Wie sehr brennst du für dein Ziel?
  • Warum gibt es keine Alternative?
  • Was bist du bereit zu ertragen?
  • Was bist du bereit zu opfern?

Übernimm Verantwortung für dein Leben

Die oberste Regel, um sämtliche Schreibhindernisse zu überwinden, lautet: Übernimm die volle Verantwortung für dein Leben! Nein, das Leben ist nicht fair. Ja, es legt dir ständig und überall Steine in den Weg. Die Wahrheit aber ist: Es geht allen so. Dennoch erreichen auch andere ihre Ziele, obwohl sie mit denselben Hindernissen zu kämpfen haben wie du. Es liegt also nicht an den Hindernissen selbst. Es liegt daran, wie wir mit den Hindernissen umgehen. Du hast dein Schicksal nicht in der Hand. Aber du kannst entscheiden, was du daraus machst!

Ich will ja schreiben, aber ständig kommt mir was dazwischen.

Es kommt immer etwas dazwischen. Aber wir entscheiden, ob wir den Dingen, die dazwischen kommen, Raum geben oder nicht. Ich gebe dir ein simples Beispiel. Meine zwei Husky-Mädels müssen mindestens dreimal am Tag raus. Oft genug kommt auch da etwas dazwischen. In diesem Fall gibt es jedoch keine Diskussion, denn ich weiß: Gehe ich nicht mit meinen Mädels vor die Tür, werde ich früher oder später ein gewaltiges Problem haben.

Genauso ist es mit deiner Geschichte. Nur du kannst sie schreiben. Nur du kannst für sie einstehen. Also übernimm Verantwortung! Mache dir bewusst, was auf dem Spiel steht. Was geschieht, wenn deine Geschichte nie geschrieben wird? Wenn du dir diesen einen Traum, zu schreiben nie erfüllen wirst? Es gibt zwei wunderbare Tools, die dir dabei helfen können:

Was geschieht, wenn du den Termin nicht einhältst? → pacemaker.press
Die Webseite Pacemaker ist das mit Abstand beste Schreibprojekt-Planungstool, das ich kenne. Mit Pacemaker kannst du dein Schreibprojekt gezielt planen und dir Etappenziele setzen. Trägst du anschließend regelmäßig ein, was du von deiner Planung tatsächlich geschafft hast, visualisiert Pacemaker umgehend, welche Auswirkungen das auf deine Planung hat. Das muss nicht immer negativ sein. Manchmal erarbeitet man sich ja durchaus auch einen Vorsprung. Yeah!

Schreibe, wenn du weißt, dass du deine Ruhe hast. → freedom.to
Oft genug sind es die kleinen Dinge, die uns beim Schreiben dazwischenkommen: das Telefon, die WhatsApp oder die E-Mail. In diesem Fall helfen Apps wie Freedom. Mit ihnen kannst du deinen Rechner für eine festgelegte Zeit komplett offline schalten. Hilft auch das nicht, schreib an fremden Orten, beispielsweise in Cafés, Bibliotheken oder Parks.

Oft genug fehlt uns scheinbar aber auch einfach die Zeit, um zu schreiben. In diesem Fall mache dir bewusst: Zeit hat man nicht. Zeit nimmt man sich! Du wirst also nicht umhin kommen, an einer anderen Stelle zu verzichten. Wie wichtig ist dir dein Traum. Was bist du bereit zu opfern? Ich habe zu diesem Thema vor einiger Zeit ein Schreibtipp-Video aufgenommen:

Ich verzettele mich ständig in mehreren Projekten.

Wenn du dieses Problem hast, frage ich dich: Wieso schreibst du mehrere Projekte gleichzeitig? Wenn möglich, bleibe bei einem Projekt. Wird es dort schwierig, sei dir bewusst: Bei jedem neuen Projekt, wird es dir genauso gehen. Box dich jetzt durch oder du wirst dich nie durchboxen. Wenn du ein Projekt zusätzlich erledigen musst, erstelle eine Prioritätenliste. Arbeite nacheinander, nicht gleichzeitig.

Ich habe eine Szene im Kopf, aber ich kriege sie einfach nicht aufs Papier.

Sei dir bewusst: Zwischen der Vorstellung von einem Projekt und der Realität liegen immer Welten. Es geht auch gar nicht darum, deine Vorstellung aufs Papier zu bekommen. Schließlich will dein Projekt erst noch entdeckt werden. Zugegeben, oft sind Dinge in der Vorstellung schöner als in der Realität. Ebenso häufig ist es jedoch auch umgekehrt. Ich weiß noch, wie ich als DDR-Kind das erste Mal in meinem Leben eine Fanta trank. Bis zu diesem Tag hatte ich keinen blassen Schimmer, was Aroma und Geschmacksverstärker bedeutet.

Also beiße dich nicht an deiner Vorstellung von einer Geschichte fest. Begib dich auf Entdeckungsreise und habe keine Angst vor spontanen Änderungen und Abweichungen von deiner Vorstellung. Vertraue deinem Bauchgefühl. Will die Szene nicht, ist das vielleicht ein Wink mit dem Zaunpfahl. Stimmt was nicht? Mach eine Pause! Manchmal kann ein wenig Abstand Wunder wirken. Schreib lieber konsequent regelmäßig im Neustartmodus als auf Krampf in einem Rutsch.

Manchmal hänge ich stundenlang an einer Formulierung fest.

Das kenne ich sehr gut. Wenn eine Formulierung partout nicht will, lass sie aus! Versuche es mit Lücke lassen. Versuche es mit einem Ist-Stand. Das Gute am Schreiben ist: Nichts ist in Stein gemeißelt. Beim nächsten Mal kannst du ja wieder ran. Im Zweifelsfall helfen:

Und: Es darf auch 1-Satz-Tage geben. Manchmal kriegt man einfach nicht mehr aufs Papier. Selbst das ist okay. Entscheidend ist, dass du es immer wieder wagst und angehst. Am Ende gewinnen nicht die mit dem meisten Talent, sondern die mit der größten Ausdauer. Betrachte dein persönliches Abenteuer doch einmal aus der Perspektive des Lesers. In den besten Geschichten läuft es niemals wie geplant und die beeindruckendsten Helden sind die, die am härtesten gekämpft und niemals aufgegeben haben.

Alles wird am Ende gut. Ist es das nicht, so ist es nicht das Ende.

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