„Ich möchte spannend schreiben. Damit der Leser immer mehr von mir lesen will“, schrieb neulich ein Teilnehmer meines Online Schreibkurses Bausteinkasten Schreiben. Wollen wir das nicht alle? Ein guter Anlass, dem Thema Spannend Schreiben näher auf den Grund zu gehen.

Wer spannend schreiben will, muss erst einmal das Prinzip von Spannung durchschauen. (Urheberrecht Foto: / 123RF Stockfoto)

Wer spannend schreiben will, muss erst einmal das Prinzip von Spannung durchschauen. (Urheberrecht Foto: / 123RF Stockfoto)

Was macht einen Text langweilig?

Bevor wir uns mit dem Thema Spannend schreiben befassen, beginnen wir doch einmal mit dem Gegenteil. Was macht einen Text langweilig? Die Antwort auf diese Frage ist einfach: überflüssige Information. Dazu gehören für mich unnötige und viel zu umfangreiche Beschreibungen.

Eine Geschichte besteht aus Handlung. In erster Linie wollen wir wissen, was passiert. Aber auch Handlung kann ermüden, wenn ich als Leser ihre Bedeutung für das Gesamtgeschehen nicht erkennen kann. Und ich langweile mich, wenn es kein Problem gibt, das es zu überwinden gilt. Stellen wir uns einmal ein Fußballspiel vor, in dem der Gegner so schlecht ist, dass unsere Mannschaft angeödet im Minutentakt Tore schießt. Wer will das sehen?

Spannend schreiben – die drei Grundelemente

Spannend ist eine Geschichte, die wir am liebsten gar nicht mehr aus der Hand legen wollen. Ist die Gier nach dem Fortgang der Handlung so groß, dass wir das Buch regelrecht verschlingen und von einer Seite zur nächsten jagen, sprechen wir von einem Pageturner.

Dieses unstillbare Lesebedürfnis entsteht aufgrund von drei Bestandteilen:

Willst du spannend schreiben, muss dein Text mindestens eines dieser drei Elemente beinhalten. Beginnen wir mit der Anspannung.

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Die beiden Elemente Neugier und Ungewissheit nehme ich in den Artikeln Den Leser fesseln – so funktioniert’s und Suspense – die Kraft der Ungewissheit genauer unter die Lupe.

Über die Freude am Spiel und die Angst, alles zu verlieren

Wir lieben Wettkämpfe. Sie haben eine lange Tradition. Mit einer Mannschaft oder einem Sportler mitzufiebern, bereitet uns Freude. Genauso ist es beim Lesen. Spannend schreiben funktioniert nach demselben Prinzip. (Urheberrecht Foto: / 123RF Stockfoto)

Wir lieben Wettkämpfe. Sie haben eine lange Tradition. Mit einer Mannschaft oder einem Sportler mitzufiebern, bereitet uns Freude. Genauso ist es beim Lesen. Spannend schreiben funktioniert nach demselben Prinzip. (Urheberrecht Foto: / 123RF Stockfoto)

Bleiben wir beim Beispiel des Fußballspiels. Ein Fußballspiel kann spannend und es kann langweilig sein. Damit ich ein Fußballspiel als spannend empfinde, müssen vier Grundvoraussetzungen erfüllt werden.

  1. Ich muss die Spielregeln kennen. Weiß ich nicht, worum es geht und wie es funktioniert, kann ich auch nicht mitfiebern.
  2. Ich muss mich für Fußball interessieren. Tue ich das nicht, ist mir das Spiel egal. Ähnlich verhält es sich mit deiner Geschichte. Ist ihr Thema für deinen Leser nicht interessant, wird er deine Geschichte auch nicht als spannend empfinden. Du wirst kaum ein Thema finden, das jeden interessiert. Also: Damit du spannend schreiben kannst, musst du dir bewusst sein, für wen du schreibst.
  3. Ich muss Sympathie für eine der beiden Mannschaften empfinden.
  4. Und ich muss wissen, was das zu lösende Problem ist. Im Fußball besteht das Problem darin, den Ball möglichst oft in das gegnerische Tor zu schießen, obwohl es vehement verteidigt und bewacht wird. Im Kugelstoßen hingegen geht es darum, eine Kugel möglichst weit zu werfen, die so schwer ist, dass manch einer sie nicht einmal vom Supermarkt nach Hause tragen könnte. In der Literatur nennen wir dieses Problem Konflikt. Ist der Konflikt nicht klar, kannst du auch nicht spannend schreiben.
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Ist dir der Begriff Konflikt noch zu abstrakt, hilft dir vielleicht der Artikel Geschichten Plotten – TV-Serien als Beispiel weiter. Er verdeutlicht, was mit einem Problem innerhalb einer Handlung gemeint ist.

Sind diese vier Punkte erfüllt, stehe ich unter Spannung. Ich bin angespannt, denn ich will, dass „meine“ Mannschaft gewinnt. Je nachdem, mit wie viel Geschick sich die gegnerische Partei meinem Team entgegenstellt, steigt die Spannung während des Spiels an. Denn beide Mannschaften lernen sich im Spielverlauf kennen. Sie passen sich den Stärken und Schwächen des Gegners an, versuchen Profit daraus zu schlagen. Zusätzlich wird die Spannung erhöht durch:

  • eine Begrenzung der Zeit
    (z.B.: das Fußballspiel dauert nur noch 5 Minuten)
  • eine Begrenzung der Versuche, dem Gegner erfolgreich entgegenzutreten
    (z.B.: der nächste Elfmeterstoß entscheidet)
  • dem Eintreten unerwarteter Ereignisse
    (z.B.: der Gegner hat noch eine besondere Spieltechnik in der Hinterhand, mit der er in letzter Minute überrascht, ein unbekannter Auswechselspieler wartet noch auf der Ersatzbank und wendet das Blatt, ein wichtiger Spieler verletzt sich und scheidet aus)
  • und dem Spieleinsatz
    (z.B.: Geht es um den Abstieg in die Zweite Bundesliga? Um den Meisterschaftspokal? Das WM-Finale? Einen millionenschweren Sponsoringvertrag?)

Alles zusammen ergibt ein spannendes Spiel. Bei einer Geschichte ist es ähnlich. Willst du spannend schreiben, musst du dieselben Elemente auf deine Geschichte übertragen. Deine Geschichte ist das Spiel, der Wettkampf.

Wie du aus deiner Geschichte einen spannenden Wettkampf machst

Wenn du spannend schreiben willst, beginne mit dem Konflikt. Das Problem und die damit verbundene Bedrohung sollten so schnell wie möglich klar sein. (Urheberrecht Foto: / 123RF Stockfoto)

Wenn du spannend schreiben willst, beginne mit dem Konflikt. Das Problem und die damit verbundene Bedrohung sollten so schnell wie möglich klar sein. (Urheberrecht Foto: / 123RF Stockfoto)

Wenn du spannend schreiben willst, beginne mit dem Konflikt. Was ist das Problem, das gelöst werden muss? Ist es ein Kriminalfall? Ein Rätsel? Soll die Welt vor dem Untergang bewahrt werden? Oder will einfach nur das Herz eines hübschen Mannes erobert sein? Entscheide dich!

Kennst du den Konflikt, stellst du eine Mannschaft (oder ein Team) zusammen, welche gemeinsam um die Lösung dieses Problems kämpft. Diese Mannschaft braucht natürlich einen Mannschaftskapitän. Diese/r Kapitän/in treibt den Wettkampf (die Handlung) maßgeblich voran. In der Literatur nennen wir ihn Protagonist. Sorge dafür, dass der Leser sich mit deinem Protagonisten identifizieren kann und ihn mag.

Jetzt ist die gegnerische Mannschaft an der Reihe. Auch sie hat eine/n Anführer/in, den Antagonist. Hast du auch die gegnerische Mannschaft aufgestellt, frage dich, was auf dem Spiel steht. Wichtig ist, dass du diese Frage dem Leser für beide Parteien beantwortest. Nur wenn er versteht, warum die gegnerische Mannschaft ebenso verbittert kämpft, wird er sie auch fürchten.

Dann stell klare Regeln auf, führe ein Ultimatum oder andere spannungsfördernde Faktoren ein. Und natürlich überlege dir, welche geheimen Mittel und Tricks beide Teams noch in der Hinterhand haben, um für überraschende Wendepunkte sorgen zu können. Schon hast du deine Geschichte mit „Spannung“ erfüllt.

Diese Grundstrukturen gelten übrigens für jede Geschichte. Jede Geschichte braucht Spannung. Hast du eine Idee, frage dich, ob alle hier vorgestellten Spannungselemente enthalten sind.

Spannend schreiben – das kostenlose Webinar

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> Spannende Krimis schreiben

> Der Hänger in der Mitte

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