Du sitzt auf dem Sofa vor dem Fernseher, das Kissen in der Hand, Gruselmusik ertönt, ein Schrei. Gänsehaut. Jemand huscht um die Ecke. Du reißt das Kissen hoch. Doch nichts passiert. Die Spannung zerreißt dich. Du bist ihr hoffnungslos verfallen: der Suspense.

Die Gewissheit, dass uns ein unkalkulierbares Grauen erwartet, erzeugt Suspense: unerträgliche Ungewissheit. (Urheberrecht Foto: 123RF Stockfoto)

Alfred Hitchcock – der Meister der Suspense

Suspense kommt aus dem Englischen und bezeichnet eine Form der Spannung, die einem Schwebezustand entwächst. Treffender könnte man also übersetzen: Ungewissheit. Suspense ist die wirkungsvollste aller Spannungsformen. Nicht zuletzt, weil ein bevorstehendes Ereignis in unserer Fantasie oft weit schrecklicher ist, als in der Realität, wenn es tatsächlich eintritt. Ein gutes Beispiel hierfür ist das Phänomen Prüfungsangst.

Um aber noch besser verstehen zu können, was diese Form der Spannungserzeugung so effektiv macht, sehen wir uns an, was der Meisters der Suspense, Alfred Hitchcock dazu zu sagen hat:

ALFRED HITCHCOCK: „Vier Menschen sitzen an einem Tisch, reden über Baseball oder was immer man will. Das geht so fünf Minuten. Richtig langweilig. Plötzlich geht eine Bombe hoch. Was hat das Publikum? Zehn Sekunden lang Schock.

Nehmen Sie dieselbe Szene. Sagen Sie Ihren Zuschauern, dass unter dem Tisch eine Bombe ist, die in fünf Minuten explodieren wird. Jetzt ist die Emotion des Zuschauers eine komplett andere. Und die Unterhaltung über Baseball bekommt eine völlig neue Bedeutung. Denn der Zuschauer denkt: Mach dich nicht lächerlich. Hör auf über Baseball zu reden. Da ist eine Bombe unter deinem Tisch!

Wichtig bei dieser Variante ist: die Bombe darf nie explodieren. … Jemand stößt mit dem Fuß an die Bombe, schaut unter den Tisch, schreit ‘Eine Bombe’, alle springen aus dem Fenster, dann explodiert sie. Sie entkommen in allerletzter Minute.“

 Wie erzeuge ich Ungewissheit?

Wir wissen also, dass eine Bombe unter dem Tisch liegt. Auch wissen wir, dass sie in fünf Minuten hochgehen wird. Und wir wissen, welche katastrophalen Folgen das hätte. Was wir nicht wissen ist, ob die Gäste am Tisch in der Lage sein werden, dieser Gefahr zu entkommen. Diese Mischung aus herannahender Katastrophe und der geringen – aber durchaus vorhandenen Chance – ihr zu entgehen, erzeugt die Suspense (Ungewissheit).

Schauen wir uns einmal den Film Psycho von Alfred Hitchcock an. Er beginnt mit der weltberühmten Duschszene:

Diese Duschszene hat eine enorme Schockwirkung. Sie macht dem Zuschauer die Gefahr, welche von dem Handlungsort ausgeht so deutlich, dass für den Rest des Filmes keine wirklichen Schockmomente mehr notwendig sind. Von diesem Zeitpunkt an arbeitet Hitchcock nur noch mit der Suspense, der Angst des Zuschauers, dass sich diese Schockerfahrung wiederholen könnte. Daraus lässt sich ableiten, dass wir drei Dinge brauchen, wenn wir Ungewissheit erzeugen wollen:

  • Vorinformationen über die drohende Gefahr,
  • Mitgefühl für die handelnden Personen,
  • eine sehr geringe aber vorhandene Chance, der Gefahr entkommen zu können.

Suspense vorbereiten: eine drohende Gefahr ankündigen

Um eine drohende Gefahr anzukündigen, hast du mehrere Möglichkeiten. Die naheliegendsten sind der Titel deiner Geschichte und ihr Genre. So weckt der Titel des Buches „Das Mädchen, das den Himmel berührte“ von Luca di Fulvio ganz andere Erwartungen als der Titel des im Mai erscheinenden Buches „Inferno“ von Dan Brown. Wenn du bewusst ein Pseudonym wählst, kann sogar der Name des Autors entscheidend sein. Unter einem Roman namens „Vollmondnacht“ von Rosalinde Rosaroth würden wir uns etwas völlig anderes vorstellen als unter einem Roman „Vollmondnacht“ von Jack Ripper.

Ebenso kannst du mit gezielten Hinweisen und geschickt platzierten Andeutungen bewusst Assoziationen beim Leser wecken. Machst du deinen Job gut, wird der Leser die bevorstehende Gefahr erkennen. Die Suspense ist im Anmarsch.

Stell dir eine Geschichte mit dem Titel „Das Megabeben von San Francisco“ vor. Eine ahnungslose Sekretärin sitzt in ihrem Büro. Plötzlich klirren die Gläser im Schrank für einige Sekunden. Die Sekretärin ahnt nichts Böses und wird unbeschwert ihrer Arbeit nachgehen. Aber für dich als Leser ist diese Botschaft deutlich. Setzen wir noch eins oben drauf. Das Telefon klingelt und die Frau wird in das Büro des Chefs beordert. Der ist in Etage Zwei und sie in Etage Sechsundsechzig. Also geht sie zum Fahrstuhl. Als sie sich auf den Weg macht, klirren die Gläser erneut. Diesmal schaukelt sogar die Deckenlampe. Da die Sekretärin zur Tür hinausgeht, nimmt sie es aber gar nicht mehr wahr. Ahnungslos betätigt sie den Rufknopf des Fahrstuhls. Na? Was könnte jetzt wohl passieren?

Auch Orte haben ihre eigene Atmosphäre. Je nachdem wie wir sie beschreiben oder aus welcher Perspektive, entstehen unterschiedliche Erwartungen. (Foto: mothman, stock.xchng)

Auch Orte haben ihre eigene Atmosphäre. Je nachdem wie wir sie beschreiben oder aus welcher Perspektive, entstehen unterschiedliche Erwartungen. (Foto: mothman, stock.xchng)

Auch der Konflikt, in dem sich deine Hauptfigur befindet, deutet meistens eine bevorstehende Konfrontation oder Bedrohung an. Stellen wir uns eine Frau vor, die vermutet, dass ihr Ehemann ein Profikiller ist. Die Bedrohung ist klar.

Je nach Genre kannst du ebenso gut mit Träumen, Visionen, Ahnungen oder Vorhersehungen arbeiten. Nicht zu vergessen ist die starke atmosphärische Wirkung eines Ortes oder aufziehenden Unwetters. Deiner Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Beobachte dich selbst. Was erzeugt in dir Unruhe, wenn du liest oder einen spannenden Film anschaust?

Die Intensität der Suspense, die du erzeugst, wird umso größer, je geringer die Chance des Protagonisten ist, sie heil und erfolgreich zu überstehen. Manche Autoren sprechen auch von der Diskrepanz zwischen Erwartetem und Erhofftem. Probier dich aus. Gerade bei der Suspense gilt: Übung macht den Meister!

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