In meinen Schreibkursen erlebe ich es immer wieder: Gute Geschichten-Ideen scheitern daran, dass Informationen falsch platziert oder gar nicht genannt werden. Muss nicht sein, denn verständlich zu schreiben ist reine Übung.

Verständlich schreiben: Autorenwissen Informationen gekonnt platzieren

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Wie singt Andreas Bourani so schön? „Alles nur in meinem Kopf.“ Was in seinem Song noch romantisch klingt, ist in deinen Texten fatal. Gelingt es dir nicht, die Zusammenhänge deines Textes, dein spezielles Autorenwissen dem Leser zu vermitteln – ganz gleich, ob in einer Geschichte oder einem Sach- und Fachtext – kann dein Text noch so sprachgewaltig sein. Er wird sein Ziel verfehlen.

Gott sei Dank lässt sich das Problem relativ leicht beheben. Aber Fakt ist: Verständlich schreiben musst du üben. Das gelingt dir nicht allein daheim am Schreibtisch. Denn Schreiben ist Kommunikation – Kommunikation mit dem Leser. Das führt uns direkt zum 1. Schritt.

Schritt 1: Suche dir Testleser deines Vertrauens

Suche dir Testleser! Auch ich lasse selbst nach nahezu 200 veröffentlichen Kurzkrimis jeden einzelnen von einem Testleser meines Vertrauens gegenlesen, bevor ich ihn an meine Agentur sende. Du kannst nicht deinen Kopf verlassen und mit den Augen eines anderen sehen!

Gute Testleser zu finden, erfordert oft Geduld. Nicht immer ist die beste Freundin oder der beste Freund die richtige Person für diese Aufgabe. Sicher gibt es auch in deiner näheren Umgebung Schreibgruppen. Wenn nicht, wage einen Blick in das Handbuch für Autorinnen und Autoren, google nach Schreibforen oder schau doch direkt mal bei uns im Schreibcafé vorbei, wenn du in Wien wohnen solltest.

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Schritt 2: Was willst du sagen?

Sei dir im Klaren darüber, was du mit deinem Text aussagen willst – und zwar am besten, bevor du mit dem Schreiben beginnst. Wie wird dein Text oder deine Geschichte enden? Auf welchen Punkt läuft alles hinaus? Wie löst du das Geschehen bzw. deinen Gedankengang auf?

Bedenke: Mit deinem Ende steht und fällt absolut alles. Es soll deinen Leser überraschen und auch zufriedenstellen. Wenn du mehr über diesen Punkt wissen möchtest, schau in meinen Blog-Artikel Wie schreibe ich einen guten Schluss?

Schritt 3: Was muss der Leser wissen, um deinen Schluss zu verstehen?

Es mag vielleicht banal klingen, ist es aber nicht! Erstelle eine Liste mit allen Fakten, die dein Leser wissen muss, damit er deinen Schluss versteht. In einem Krimi muss der Leser beispielsweise wissen: Wer war der Täter? Wie hat er die Tat begangen? Was war sein Motiv? Wie hat er versucht, seine Tat zu vertuschen? Wie ist die Ermittlerfigur darauf gekommen?

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Den Schluss von Der Wolf und die sieben Geißlein zum Beispiel kann der Leser nur verstehen, wenn er folgende Informationen hat: Wer sind die sieben Geißlein? Wer ist der böse Wolf? Wie konnten die sieben Geißlein in den Bauch des bösen Wolfes gelangen, obwohl die Mutter sie vor ihm gewarnt hatte? Wie konnten die Geißlein ihrem Schicksal am Ende doch noch entkommen?

Schreibst du einen Sach- oder Fachtext, liste die Fakten auf, die du vermitteln möchtest. Arbeitest du an einer Rede oder einem Statement, erstelle eine Liste mit deinen Argumenten und Gegenargumenten.

Schritt 4: Entwickle eine Kausalkette!

Entscheide dich nun, in welcher Reihenfolge du dem Leser die benötigten Informationen vermitteln möchtest. Willst du den Leser am Ende überraschen (beispielsweise im Krimi) wird es eventuell nötig sein, gewisse Informationen möglichst spät zu nennen. Musst du einen Zusammenhang erklären, ist ein didaktischer Aufbau enorm wichtig.

Mitunter werden gewisse Informationen nötig sein, damit die folgenden verstanden werden können. Das ist in Sachtexten wie auch in Geschichten gleichermaßen der Fall. So muss ich beispielsweise in der Geschichte vom Rotkäppchen wissen, dass der Wolf sich als Großmutter verkleidet hat, bevor ich mit der Information „Großmutter hat große Augen“ etwas anfangen kann.

Schritt 5: Nenne die Dinge beim Namen

Suche stets nach der klarsten, kürzesten und einfachsten Ausdrucksweise. Das heißt nicht, dass du sinnleere und anspruchslose Texte schreiben sollst. Aber es ist ein großer Unterschied, ob du beispielsweise

Kühle Feuchtigkeit stürzte milliardenfach in Kleinsttropfen vom Himmel herab.

schreibst oder

Es regnete.

Vermeide Fremdwörter und komplizierte Schachtelsätze. Bring die Dinge auf den Punkt und nenne sie beim Namen. Dein Handwerk beweist du nicht mit einem Maximum an Verwirrung, sondern mit einem Maximum an Klarheit – es sei denn, Verwirrung ist in diesem speziellen Fall dein künstlerisch notwendiges Stilmittel.

Fazit: Verständlich schreiben ist keine Zauberei

Aber es erfordert Geduld! Ziehe nicht zu hart mit dir ins Gericht. Selbst du wenn du dich als redegewannt und wortgewandt empfindest. Schriftliche Kommunikation hat ihre eigenen Gesetze. Und die erlernst du nur, indem du schreibst und unentwegt Feedback dazu einforderst.

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