Nach 5 Jahren Arbeit als Schreibcoach komme ich zu dem Schluss: Das Schreiben kann man nicht lernen. Was steckt dahinter?

Ich erlebe es immer wieder: Jemand wendet sich an mich, weil er endlich diesen einen Roman schreiben will. Die Idee ist genial. Das Talent ist vorhanden. Freunde loben die Texte in den Himmel. Auch Schreibratgeber wurden bereits zahlreich konsumiert. Aber es will und will nicht gelingen.

Die Lösung scheint einfach. Sicher hat man genau das eine Geheimnis noch nicht entdeckt, nur einen Fakt noch nicht richtig verstanden. Es braucht einfach einen Schreibcoach. Und dann ist er mit Sicherheit geschrieben: der Bestseller.

Dann folgt die Enttäuschung. Zwar ist der Roman endlich geschrieben, der Erfolg aber immer noch nicht da. Kann man das Schreiben doch nicht lernen?

Das Problem mit der Bedeutung des Wortes „lernen“

Was bedeutet das eigentlich, lernen? Gelernt haben wir in der Schule im berühmten Frontalunterricht. Lernen hieß zuhören, mitschreiben, verstehen, pauken. Je genauer man sich etwas merken konnte, desto besser waren die Noten am Jahresende.

Klar, dann waren da noch Fächer, in denen Auswendiglernen allein nicht viel brachte – Mathematik, Physik und Chemie beispielsweise. Hier galt es immerhin, Algorithmen und Lösungsansätze zu verstehen. Aber hatte man sie einmal geknackt, flutschte es auch hier.

Ich bin mir sicher, viele meiner Roman Workshop Kunden fordern mit derselben Erwartungshaltung eine Probelektion an: Jetzt wird das Plotten gelernt und dann ist der verkaufssichere Roman garantiert.

Das Problem an dieser Denkweise ist: Das Schulsystem erzieht uns zu Theoretikern. Das Schreiben aber ist ein Handwerk.

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Ein Handwerk erlernt man nur durch „üben“

Ich persönlich vergleiche das Schreiben sehr gern mit dem Klavierspielen oder Töpfern. Beides tun wir mit den Händen. Und beides erlernen wir nicht, indem wir Bücher lesen. Wir erlernen es, indem wir uns hinsetzen, unseren Verstand ausschalten und einzelne Handlungsabläufe immer und immer wieder wiederholen.

Sicher ist es unabdingbar, als Pianist Noten lesen zu können. Musiktheorie gehört dazu. Auch sollte ein Töpfer wohl Fakten über Ton, Haltbarkeit, Brenndauer kennen. Ebenso wie ein Schriftsteller Plot-Strukturen verstanden und wesentliche Formelemente des Schreibens verinnerlicht haben sollte.

In allen drei Disziplinen geschieht das eigentliche Wunder aber nicht wenn wir lernen – sondern erst dann, wenn wir uns hinsetzen und üben.

Die Finger pfeifen auf den Kopf

Lernen und Üben sind zwei grundverschiedene Dinge. Wer Klavier spielt, wer töpfert, wer schreibt, denkt nicht mehr nach. Er tut es einfach. Nicht selten schwärmen wir von dem berühmten Flow.

Interessant ist in diesem Zusammenhang eine Studie der Vanderbilt University in Nashville/Tennessee. Teilnehmer dieser Studie waren Studenten, welche im Schnitt bereits 10 Jahre Erfahrung mit dem Schreibmaschineschreiben hatten. Schrieben sie blind, waren 94% der geschriebenen Wörter richtig.

Nun konfrontierte man die Probanden mit einer unbeschrifteten Tastatur. Obwohl sie problemlos auf ihr schreiben konnten, konnten sie die Tasten nicht korrekt beschriften. Das Fazit dieser Studie:

Wir können extrem komplizierte Dinge, ohne zu wissen, was wir tun. Diese Fertigkeiten erlangen wir nicht durch Lernen. Wir erarbeiten sie uns durch Üben.

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Lernen ist bequem, Üben kosten Schweiß und Nerven

Meiner persönlichen Erfahrung nach ist das Hauptproblem folgendes: Üben kostet wesentlich mehr Arbeit und Ausdauer als Lernen.

Es ist relativ bequem, sich in eine ruhige Ecke zu setzen, zu denken und Fakten auswendig zu lernen oder Zusammenhänge zu begreifen. Vor allem handelt es sich hierbei um einen einmaligen Prozess.

Üben jedoch kostet Zeit und Schweiß. Üben macht keinen Spaß. Fast immer ist Üben mit einer körperlichen Anstrengung verbunden. Aber nur durch Üben kommen wir zum Erfolg, wenn wir ein Handwerk wie das Schreiben erlernen wollen. Genau deshalb sind die einzelnen Lektionen meiner Online Schreibkurse auch im kurzen 14-Tage-Rhythmus gehalten. Du sollst dich nicht auf dem Lesen und Lernen ausruhen, sondern dich hinsetzen und schreiben.

Das Lernen – also das Verstehen – kann niemals eine Abkürzung eines Übungsprozesses sein. Es kann ihn befruchten, bereichern und die Erfolgsquote enorm erhöhen. Aber am Ende bleibt eine unausweichliche Erkenntnis:

NIEMAND KANN DEINE ARBEIT FÜR DICH TUN!

Kein Schreibratgeber, kein Lektor und auch nicht der beste Schreibcoach dieser Welt.

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