„Kannst du mal schauen, ob sich das Weiterschreiben überhaupt lohnt?“, fragte mich neulich eine Schülerin per E-Mail. Hier könnt ihr meine Antwort lesen.

Woher weiß ich, ob sich das Weiterschreiben lohnt?

Urheberrecht Foto: Irma Fotalia

Die Frage, die mir eine Schülerin diese Woche per E-Mail stellte, war mir nicht neu. Im Gegenteil – ich höre sie immer wieder. Daher kam mir die Idee, meine Antwort diesmal mit euch zu teilen. Julia schrieb:

Kannst du vielleicht einfach mal eine Leseprobe machen und mir ehrlich sagen, ob sich weitere Mühe überhaupt lohnt?

Vielleicht kurz vor weg: Wer schon einmal mit mir zusammengearbeitet hat, weiß, dass ich immer ehrlich bin. Jedoch sollte Ehrlichkeit meiner Meinung nach nie destruktiv sein. Das war meine Antwort:

Hallo Julia,

das Schreiben lohnt sich immer. 🙂 Ich weiß, das klingt dämlich, aber es ist so. Selbst wenn deine Texte jetzt eine absolute Katastrophe wären (was ich arg bezweifle), würde kein Weg daran vorbeiführen. Mach dich frei von diesem Denken „Wenn ich kein Talent habe, lasse ich es lieber gleich bleiben“. Niemand kann wirklich beurteilen, ob du Talent hast. Denn, was man zu sehen bekommt, ist ja immer nur eine Momentaufnahme, eine Station auf deinem Weg. Woher soll ich wissen, wohin er dich noch führt? Wozu du in der Lage bist, wenn du einfach konsequent weiter an dir arbeitest?

Lass mich dir ein Beispiel geben:

Vor wenigen Wochen war ich zu Besuch auf dem Sommerfest des Musical-Studiengangs der Bayerischen Theaterakademie in München. Ich fragte nach meinen ehemaligen MitstudentInnen. Eine von ihnen war Miriam Clark. Sie hat das erste Jahr nicht überstanden und flog von der Schule. „Aussichtslos“ lautete damals das Urteil. Wenige Wochen später hatte sie in Hamburg ihren ersten Job: beim „König der Löwen“. Kurz darauf wagte sie einen zweiten Anlauf und studierte Operngesang. Das ist aus ihr geworden: http://opernmagazin.de/tag/miriam-clark/

Auch mir wurde ein Ende meiner Künstlerkarriere prophezeit mit dem Tag als ich die Akademie verließ: chancenlos. „Außer gut aussehen kann er nichts.“ Kein Witz! Ich drehte „Wege zum Glück“, spielte die Europapremiere von „Dirty Dancing“ und die Weltpremiere von „Ich war noch niemals in New York“. So viel dazu …

Auch, wenn meine Beispiele in diesem Text nicht vom Schreiben direkt handeln, empfinde ich sie als durchaus repräsentativ. Solange du noch einen Funken Leidenschaft in dir verspürst, solange dieser Traum von Geschichte in dir lebt, schreib! Es lohnt sich.

Ja, aber es gibt Leute, die haben einfach kein Sprachgefühl

Gibt es das? Und woran machen wir das fest? Ich erinnere mich an eine Schülerin, die mit dem Schreiben völlig überfordert war. Logik, Interpunktion, Aufbau, nichts stimmte. Aber das war nicht das Schlimmste. Ich wunderte mich stets über das miserable Layout ihrer Texte. Bis ich eines Tages herausfand, dass sie am Ende jeder Bildschirmzeile brav die Enter-Taste drückte (sie stammte noch aus dem Zeitalter der Typenhebel-Schreibmaschinen).

An diesem Punkt war ich nah dran, eine höfliche E-Mail zu schreiben und ihr zu sagen, dass sie ihr Glück doch besser auf einem anderen Gebiet versuchen sollte. Ich tat es nicht. Gott sei Dank! Denn im Laufe des Schreibkurses wurde ich mehr und mehr überrascht. Ich habe bis heute Kontakt mit ihr und bin tief beeindruckt von ihrem Weg. Inzwischen schreibt sie wundervolle Texte.

Auf der anderen Seite hatte ich aber auch schon sehr begabte Schüler, die von vornherein erstklassige Texte geschrieben haben und dennoch keine Erfolge erzielten. Weil sie sich selbst im Weg standen, an sich zweifelten oder es einfach nie gelernt hatten, zu üben.

Am Ende dreht sich alles um folgende Frage:

Wer steckt deine Grenzen? Du oder andere?

Das Problem an der Sache ist – wie so oft im Leben – die Perspektive. Wenn sich jemand anmaßt über dich, deine Fähigkeiten und deine Zukunft zu urteilen, tut er das anhand seines eigenen (immer zwangsläufig) beschränkten Erfahrungsschatzes.

Vielleicht ist ihm in seinem Leben alles in den Schoß gefallen? Vielleicht musste er nie für irgendetwas kämpfen? Vielleicht hat er aber auch einfach nur nie miterleben können, was harte und konsequente Arbeit möglich macht? Auch ein Arnold Schwarzenegger lief einmal als dünnes, kleines Kindchen durch die Welt.

Manchmal habe ich das Gefühl in unserer westlichen Welt muss immer alles einfach, leicht und von jetzt auf gleich gehen. Diese Vorstellung bildet nur leider nicht das Leben ab. Wie sagte Herbie, mein allererster Tanzlehrer in Berlin immer so schön: „Jeden Tag eine neue Grenze!“ Was fauchte meine Schauspiellehrerin Janina immer in den Raum, nachdem sie ihren losen Stiftzahn mit einem kurzen Schmerzschrei wieder festgesteckt hatte? „Leben ist Kampf!“

Nur du selbst kannst entscheiden, ob sich etwas lohnt oder nicht. Nur du selbst kannst herausfinden, ob du etwas erreichen kannst oder nicht. Niemand sonst. Lass mich diesen Artikel mit meinem Lieblingszitat schließen:

Das größte Vergnügen im Leben besteht darin, Dinge zu tun,
die man nach Meinung anderer nicht fertig bringt.

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